Angesichts der unbeständigen Wetterverhältnisse – noch am frühen Sonntagmorgen hatte es wie aus Kübeln gegossen – wurde kurz entschlossen der open air geplante Gottesdienst in den Musiksaal der Friedrich-Kammerer-Schule in Ehningen verlegt.
Etwa 200 Gottesdienstbesucher hatten sich eingefunden, Mitglieder der beiden Kirchengemeinden und rund 40 Gäste, darunter Ehningens Bürgermeister Claus Unger sowie vom Kirchengemeinderat der evangelischen Kirche am Ort dessen Mitglied Frau Astrid Heine.
„Weise mir, Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit;…“ (Ps 86,11), dieser Wunsch des Königs David bestimmte den Inhalt des Gottesdienstes unter Leitung von Gemeindevorsteher Hirte Ulrich Bruhnke. Er ging auf das Cover des Einladungsflyers für den Gottesdienst ein: Ein Kompass in der Hand eines Menschen vor einer Weggabelung war da zu sehen. Der Kompass, der – heute – immer nach Norden zeigt und so die Richtung angibt, anhand derer man sich orientieren kann. Wobei es ratsam ist, auch eine Karte dabei zu haben. Unbestechlich und unabhängig, so ist seine Anzeige. Und im Geistigen, wie orientiere ich mich da? Wo ist der Mensch, der es nur gut mit mir meint, so dass ich mich „blind“ nach ihm richten kann? Das wird schwierig. Deshalb der Wunsch: Weise Du, Herr, mir den Weg!
Und in der Wahrheit des Herrn wandeln – die herauszubekommen ist nicht immer einfach. Aber es gibt viele Gleichnisse in der Bibel, auf die Jesus hingewiesen hat. Sich daran orientieren und sich Gott anvertrauen, ernsthaft zu ihm beten, ihn fürchten, nicht aus Angst, sondern aus Ehrfurcht, dann bildet sich eine Beziehung zu Gott, die Orientierung gibt und den Menschen das Richtige tun lässt. Und es gibt dabei einen Begleiter, der wie ein Bergführer auf schwierigem Terrain dasselbe Ziel verfolgt wie der ihm Anvertraute. Das ist Jesus, der dem Menschen in allem ein Beispiel gegeben hat. Ihn im Herzen tragen, dann ist man auf dem richtigen Weg.
Gemeindeevangelist Thomas Lutz, zuständig für die Gemeinde Aidlingen, verwies in seinem Beitrag zum Gottesdienst auf Petrus, der dreimal von Jesus befragt wurde: „Hast du mich lieb?“. Wenn Gott uns das fragt, dann, wie damals Petrus, „Ja“ dazu sagen. Bei der Partnerwahl geht es auch nicht nach menschlichen Berechnungen und Abwägungen, sondern nach der inneren Entscheidung. So ist es auch im Verhältnis zu Gott. Sich für ihn entscheiden, dann hat man auch seinen Segen.
Damit schloss sich der Bogen zum zu Beginn des Gottesdienstes gemeinsam gesungenen Lied, das endet: „Du weißt den Weg für mich, das ist genug.“ (aus Nr. 34 Neuap. Gesangbuch, Text Hedwig von Redern, 1866 – 1935). Neben dem Gemeindegesang sorgten der gemischte Chor, Leitung Markus Süße, Ehningen, und Marc Sieger, Aidlingen, sowie ein Kinderchor, der zum Schluss sang, für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes.
Bürgermeister Claus Unger verwarf in seinen Grußworten nach dem Gottesdienst kurzerhand seine in den Tagen zuvor am Rathausschreibtisch verfasste Rede. Er ließ sich von der angenehmen Atmosphäre im Gottesdienst inspirieren, die daraus resultierte, dass alle Anwesenden ein Gemeinschaftsgefühl verbunden hatte. So soll es auch in einer politischen Gemeinde sein und ist es zum Glück auch in Ehningen, wo es ein „Miteinander“ gibt. Die Neuapostolische Kirchengemeinde Ehningen/Aidlingen habe das gerade in jüngerer Zeit unter Beweis gestellt, indem sie ein Benefizkonzert u. a. zugunsten der Evangelischen Kirchengemeinde veranstaltet habe, die so einen namhaften Betrag für die Renovierung ihres Gotteshauses erhielt. „Diese Gemeinschaft ist nicht selbstverständlich. Es macht Spaß, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“, sagte er abschließend zu den Glaubensgeschwistern der beiden Kirchengemeinden. „Einen schönen Tag miteinander!“, schloss ein sichtlich zufriedener Bürgermeister.
Den schönen Tag gab es dann auch. Zunächst wurde zu Mittag gegessen. Dann folgten am Nachmittag ein Musikprogramm, gestaltet vom musikalischen Nachwuchs, und „den Dirigenten mal anders“: Markus Süße am Klavier und Marc Sieger als Saxofonspieler. Außerdem konnte man sich bei einem Hallenfußballturnier sportlich betätigen. Und das Wetter – nun, das erlaubte durchaus bis zum Abend einen trockenen Aufenthalt im Freien.