Ein heißer Sommerabend in Ehningen war es. Zum Gottesdienst dort waren auch die Mitglieder der Gemeinde Aidlingen eingeladen.
Wegen der sommerlichen Hitze standen Kirchentüren und Fenster offen. Gleichzeitig ein Symbol dafür, dass den Apostel auch offene Herzen erwarteten. Die Kinder hatten fleißig geübt, um den Gast mit einem Lied empfangen zu können, was dem viel Freude machte. Ein Instrumentalensemble und der gemischte Chor sorgten vor dem Gottesdienst für eine Atmosphäre, in der trotz der Alltagshektik in den Stunden davor ein innerer Freiraum entstehen konnte, um in der Lage zu sein, abzuschalten und Gottes Wort aufzunehmen: „`Friede sei mit dir`, so klingt es hier. Lass mich`s ergreifen, dies Wort von dir!...“ (Neuap. Chorliederbuch I, Nr. 70, Vers 2), in der Worte ursprünglicher Bedeutung schlicht und ergreifend vom gemischten Chor unter Leitung von Markus Süsse vorgetragen, war u. a. zu hören.
Zu Beginn drückte W. Eckhardt noch einmal die Freude über die Begrüßung durch die Kinder aus. Er erinnerte sich an den ersten Kindergottesdienst, den er als Apostel auf Bereichsebene durchgeführt hatte. Im Vorfeld war er etwas unsicher, wie das werden sollte, wenn so viele Kinder anwesend sein würden, mit denen er, wie bei Kindergottesdiensten üblich, auch kommunizieren sollte. Da war aus einer Gemeinde von den Kindern ein Brief an ihn geschrieben worden. Sie würden sich freuen, dass er kommt. Und Angst müsse er auch nicht haben. Das würde schon alles in Ordnung gehen…
Der letzte Gottesdienst mit Wolfgang Eckhardt im Bezirk Sindelfingen…Der Apostel hatte im vergangenen Herbst die Aufgabe übernommen, für ein knappes Jahr neben dem Freiburger Bereich den Tübinger mitzubetreuen. Das war von Südbaden aus mit vielen langen Autofahrten verbunden, wofür die sonst „verwaisten“ Württemberger eigentlich ihm Dank schuldeten. Nun bedankte er sich dafür, dass diese ihn nicht als einen „dahergelaufenen Fremden“ gesehen, sondern ihn liebevoll aufgenommen hatten. „Wie schon der Name vermuten lassen könne, einen Menschen mit Ecken und Kanten“, merkte W. Eckhardt schmunzelnd an. Er werde weiter für die ihm einmal anvertrauten Glaubensgeschwister beten.
„Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.“ (Hebr 10, 36)
Auf dieses den Gottesdienst bestimmende Wort aus dem Brief Paulus`an die Hebräer eingehend hieß es: „Um den Segen zu bekommen, ist es nötig, den Willen Gottes zu tun und in Geduld darauf zu warten. Ausharren, um das Verheißene zu bekommen. Im Gehorsam Glauben beweisen mit dem, was man tut, dann bleibt der Segen nicht aus.“ Der Apostel erinnerte an Jesus, zu dem viele „Herr, Herr“ sagten, aber doch nicht das taten, was er sagte. Glaube muss in die Tat umgesetzt werden. Und es kann oft viel Zeit brauchen, bis sich etwas erfüllt, deshalb ist Geduld gefragt. Es folgten Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament. Noah, der sich lange auf die Sintflut vorbereitet hatte. Und als alles zu Schützende in der Arche untergebracht war – dauerte es noch sieben lange Tage, bis der Regen, die große Flut, einsetzte, die Gott angekündigt hatte. Abraham, der so lange auf die Erfüllung der Verheißung, einen Sohn zu bekommen, warten musste und ihn dann opfern sollte. Er blieb trotzdem gläubig und gehorsam und – erlebte Gottes Segen. Josua durfte ins Gelobte Land, aber er musste daran glauben und darum kämpfen. Elia, der alles tat, was der Herr von ihm verlangte und sich trotzdem allein und verlassen fühlen musste. Aber er hat Gott weiter geliebt und wurde letztlich nicht enttäuscht. Jesus als Hohe Schule für die Christen heute – er hat seinen Jüngern aus Liebe die Füße gewaschen und trotzdem haben sich manche von ihm abgewandt. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, sein Opfer für die Menschheit zu erbringen.
Glaube, Gehorsam, Geduld – unerlässlich, diese Anforderungen, trotz Heiliger Versiegelung, zu erfüllen. Es wird mit dem Empfang dieses Sakraments nicht alles plötzlich ganz einfach. Aber Gott wird die Kraft zum Überwinden geben. Neben der Liebe zu Gott auch den Nächsten lieben. Auch ohne Gegenliebe. Trotz Ungerechtigkeiten die Liebe zu Gott und dem Nächsten bewahren. Wenn man mit der Geduld am Ende ist, sich ernsthaft fragen, habe ich wirklich alles getan, was der liebe Gott erwarten kann, damit er mich segnet.
„Lasst uns im Glauben und Gehorsam bis zum Tag des Herrn weitergehen. Wie es in der Offenbarung heißt, das Wort von der Geduld bewahren, halten, was wir haben, damit niemand uns die Krone raube. Dann haben wir die Sicherheit, am Tag des Herrn den größten Segen zu erleben, auf ewig bei Gott sein zu können.“
Der stellvertretende Leiter des Bezirks Sindelfingen, Bernd Rauser, wies in seinem Beitrag zum Gottesdienst u. a. darauf hin, dass - die Neuapostolische Kirche feiert in diesem Jahr ihr hundertfünfzig jähriges Bestehen - es in manchen Familien schon die fünfte Generation von Glaubensgeschwistern sein kann, die auf Jesus` Wiederkunft wartet. Sich darin nicht beirren lassen und, bildlich gesprochen, den „Geduldsfaden“ durch das heilige Abendmahl stärken, denn schließlich will ich das Verheißene empfangen, so der abschließende Rat.
Der Leiter des Bezirks Sindelfingen, Bernhard Kienzle, motivierte: „Lasst uns nach vorn sehen im Glauben. Der finale schlussendliche Segen ist die ewige Freude über die unverdiente Gnade. Das soll bis zur Wiederkunft Jesus` Bestand haben! In schwierigen Situationen nicht den Halt zu verlieren, das ist Segen.“
Vor der Feier des heiligen Abendmahls wies W. Eckhardt auf dessen Bedeutung hin: „Gnade ist eine vergebende Kraft, keine verändernde. Es anders, besser zu machen, ist Aufgabe des Menschen. Gott verzögert die Erfüllung seiner Zusagen nicht, sondern er hat Geduld mit uns. Da bin ich schon froh, dass Gott mir Zeit lässt. Er wird nicht bei der Wahl des Zeitpunkts der Wiederkunft seines Sohns seinen ersten Fehler machen.“
Im Gottesdienst empfingen drei kleine Kinder und eine Erwachsene das Sakrament der Heiligen Versiegelung. Eine Anwartschaft zur Erstlingsschaft, wie es der Apostel definierte. „Nun gilt es, im Glauben diesen Weg zu gehen und sein Leben nach dem Evangelium auszurichten. Seine Gebote sind die Tore zu Gott und es ist ein Reichtum, sie zu haben.“
Der Hitze des Tages war inzwischen ein lauer, mediterran wirkender Sommerabend gefolgt. In den hinaus wurden die Gottesdienstbesucher geleitet mit beeindruckend schön vorgetragenen musikalisch ausgedrückten Wünschen: „Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt…“, erklang es, zunächst von einem Männerchor gesungen, ehe der gemischte Chor weiter sang und voller Glaube und Zuversicht endete „…dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Neuap. Chorliederbuch I, Nr. 203, Text nach Offb 1, 4 -6, Vertonung Hermann Ober)